Layman's Guide— German translation
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Der Alexandrinische Texttyp unter der Lupe: bersicht
LAYMANS GUIDE: EINE VEREINFACHTE DARLEGUNG ZU KONZEPTEN DER TEXTBESTIMMUNG DES GRIECHISCHEN NEUEN TESTAMENTS VON TIMOTHY FRIBERG
VON WILBUR N. PICKERING
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Der Alexandrinische Texttyp unter der Lupe: bersicht
eseDiese
Titel des Originals: A modest explanation for the layman of ideas related to determining the text of the Greek New Testament Autor:
Timothy Friberg
bersetzer:
PStreitenberger/OAttendorn 2013 FocusYourMission KG Ostermarscher Str.21; 26506 Norden-Norddeich forum.focusyourmission.org // info@focusyourmission.org
Inhalt bersicht ............................................................................................................................................................. 2 Einfhrung: ber Papier, Tinte und Schriftarten ................................................................................ 2 Welche verschiedenen Gruppen von NT-Handschriften gibt es heute?..................................... 4 Woher kommen die Unterschiede in den Handschriften? .............................................................. 5 Die zwei wichtigsten Texttypen................................................................................................................. 7 Der eklektische Ansatz zur Bestimmung des Originaltextes ....................................................... 10 Grundstze des Byzantinischen Primats ............................................................................................. 12 Wie innere Kriterien bestimmt werden .............................................................................................. 15 Wie externe Kriterien bestimmt werden ............................................................................................ 19 Antworten auf Einwnde gegen die Theorie des Byzant. Primats ............................................ 25 Zusammenfassung und Ausblick ............................................................................................................ 28 Glossar .............................................................................................................................................................. 30 Bibliographie .................................................................................................................................................. 34
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Laymans Guide Kapitel: Einfhrung: ber Papier, Tinte und Schriftarten
bersicht Weltweit existieren nahezu 6.000 teilweise oder vollstndig erhaltene Handschriften fr den Text des griechischen Neuen Testaments. Die Rekonstruktion eines dem Originaltext (zumindest nahezu) identischen Textes wird durch die nachfolgend dargestellten Prinzipien, Kopierfehler in den Handschriften zu erkennen, ermglicht. Der dabei entstehende Text heit Byzantinische Textform, von dem wir zu zeigen versuchen, dass er dem Text berlegen ist, zu dem der andere Hauptansatz der Textkritik gekommen ist, nmlich dem der eklektischen Herangehensweise, die nur ein recht willkrlicher Auswahlprozess zu sein scheint. Die Byzantinische Textform war ber die Jahrhunderte der Gemeindezeit vorherrschend und sie, so glauben wir, verdient diese hervorragende Stellung auch heute noch, aber nicht nur deshalb, weil sie das Ergebnis intensiver Forschung ist obwohl auch intensive Forschung sie besttigt sondern, weil dieser Text schon immer da war und zwar verlsslich in Bezug auf seine Geschichte und berlieferung. Anmerkung: Einige der folgenden Gedanken entstammen dem Autor, wobei er nur versucht, fr Einsteiger ein breiteres Verstndnis ber Gedanken anderer zu ermglichen, hauptschlich mit Hilfe von Vereinfachung und Umschreibung. Fachausdrcke, die im Text gesperrt gedruckt wurden, sind im Glossar am Ende des Aufsatzes erklrt. Alle Zitate, die nicht eigens ausgewiesen sind, stammen aus den Arbeiten von Maurice Robinson, wie in der Bibliographie verzeichnet.
Einfhrung: ber Papier, Tinte und Schriftarten Die Angelegenheiten waren nicht immer so bequem wie heute, das gilt insbesondere fr die schriftliche Kommunikation: frher gab es noch keine Computer (ab 1970), keine Schreibmaschinen (ab 1874) und nicht einmal Druckerpressen mit beweglichen Lettern (ab 1440). Dokumente wurden per Hand abgeschrieben, seien es private Briefe, Aufzeichnungen oder offizielle Beschlsse. Wenn es Bedarf an mehreren Kopien gab, konnten weitere handgefertigte Kopien nicht gleichzeitig einfach in groer Stckzahl erstellt werden. Zur Zeit der Abfassung der einzelnen Bcher des Neuen Testaments waren Papyrusbltter (ab ca. 2400 v.Chr.) das gebruchliche Beschreibmaterial, gewhnlich zu lngeren Rollen zusammengesetzt. Tinte wurde aus verschiedenen Substanzen gewonnen (wie Lampenru), die leicht zu bekommen waren. Stifte wurden aus gespitzten Schilfrohren gemacht, spter aus Federn. Auch Tierhute (Pergament) konnten, wenn sie entsprechend bearbeitet wurden, als Beschreibstoff dienen (ab 1468 v. Chr.).
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Laymans Guide Kapitel: Einfhrung: ber Papier, Tinte und Schriftarten
Tierhute hatten den Vorteil, dass sie bestndiger waren, brachten aber den Nachteil deutlich hherer Kosten mit sich. Papier, der Vorlufer von dem heute bekannten Material, wurde durch die Araber im Mittleren Osten (ab 795) eingefhrt, die dieses Material von den chinesischen Erfindern bernommen hatten. Man kann nicht mit letzter Sicherheit sagen, auf welchem Material das Neue Testament ursprnglich geschrieben wurde, da die Autographen (d.h. Originalschriften) anscheinend nicht erhalten sind. Jedoch sind fast alle Handschriften, die wir heute noch aus der Zeit vor dem 4. Jahrhundert gefunden haben, Papyrus-Dokumente, wobei fast alle bis heute erhaltenen Handschriftenfunde vom 4. bis 14. Jahrhundert aus Pergament sind. Die frhen Handschriften mit dem Neuen Testament knnen im Rollenformat geschrieben worden sein, jedoch zeigen uns heutige Belege deutlich, dass Kopien von frhster Zeit der kanonischen berlieferung an in Buchform erstellt wurden. hnlich den heutigen Bchern wurden die Seiten dieser Codizes zusammengeheftet. Die griechischen Buchstaben, mit denen zunchst geschrieben wurde, waren Unziale, nicht viel anders als unsere heutigen Grobuchstaben. Die Abbildung zeigt ein griechisches Manuskript aus dem 4.Jhd, das den Text von Esther 1:20-21 aufweist. Kursivschrift, eine Weiterentwicklung der Unziale, bestand wie unsere Schreibschrift aus Kleinbuchstaben. Sie wurde fr Schriften mit eher privater Natur verwendet. Sowohl Unziale (in offiziellen Dokumenten) als auch die Kursivschrift existierten jahrhundertelang nebeneinander. Alle heute noch einsehbaren Handschriften vor dem 10. Jahrhundert wurden in Unzialen geschrieben.
Unziale
Kursivschrift
Im frhen 9. Jahrhundert entwickelten Schreiber, die ihre Aufgaben durch effizienteres und schnelleres Schreiben erleichtern wollten, eine Handschrift namens Minuskel. Dieser neue Stil war eine Abwandlung der Kursivschrift mit etwas formalerem Erscheinungsbild. Ab dem Ausgang des 10. Jahrhunderts wurden (bis auf einige Lektionare) alle Handschriften in Minuskelform geschrieben. Wir knnen mit Sicherheit davon ausgehen, dass im Falle jeder einzelnen neutestamentlichen Urschrift zumindest eine Einzelkopie gemacht und zu einem Empfnger gebracht wurde. In bereinstimmung mit dem damaligen Brauch erstellten und behielten die Autoren eine weitere Kopie ihrer Schriften bei sich, vielleicht eine Abschrift ihrer fertiggestellten Arbeit. 3
Minuskel
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Laymans Guide Kapitel: Welche verschiedenen Gruppen von NT-Handschriften gibt es heute?
Die meisten Schriften des Neuen Testamentes waren an eine Einzelpersonen oder einzelne Gemeinden adressiert. Etliche konnten aber auch mit der Absicht gemacht worden sein (z.B. die Petrus-Briefe), in einem greren Leserkreis zu kursieren. Zweifelsohne wurden die kanonischen Schriften des Neuen Testamentes von der Niederschrift an als Wort Gottes und von daher als wertvoll erkannt und bereits kurz nach ihrer Erstellung kopiert. Einiges, was wir von diesem Prozess wissen, stammt von den Kirchenvtern; andere Angelegenheiten knnen wir durch logische Schlussfolgerungen ermitteln. Recht frh waren jedoch schon zahlreiche Kopien in Umlauf und nach einer unbekannten Zeit gingen die Autographen wahrscheinlich (durch Abnutzung etc.) zugrunde. Auf unterschiedliche Weise wurden die Schriften weiterkopiert und verbreiteten sich in immer grerem Rahmen. Heute existieren 6000 teilweise oder vollstndig erhaltene Handschriften des griechischen Neuen Testamentes. Wir knnen annehmen, dass mindestens die gleiche Anzahl weiterer Kopien ber die Jahrhunderte gemacht wurde in Wirklichkeit waren es vermutlich weit mehr die aber aus dem ein oder anderen Grund nicht erhalten blieben. Aus naheliegenden Grnden hrte das handschriftliche Kopieren von Manuskripten im 15. Jahrhundert auf, nachdem das griechische Neue Testament dann gedruckt wurde (1516).
Welche verschiedenen Gruppen von NT-Handschriften gibt es heute? Wenn wir die erhaltenen Handschriften des Neuen Testaments (NT) untersuchen, bemerken wir, dass sie nicht identisch sind (vgl. den Abschnitt unten Warum gibt es Unterschiede in Handschriften?). Sie scheinen in vier einzelne voneinander abhngige Gruppen gewhnlich als Texttypen bezeichnet unterteilt zu sein. Die erste wird als Westlicher Text bezeichnet. Die dazugehrigen Handschriften sind durch freie Erweiterungen, Umschreibungen, und nderung vorher bestehender Wrter gekennzeichnet. Es gibt verhltnismig wenige Handschriften dieses Texttyps und die Handschrift D/05 ist ihr bekanntester Vertreter. (Zum einfachen Auffinden werden Handschriften entweder durch eine arabische Zahl oder mit einem entsprechenden Grobuchstaben [Latein, Griechisch, oder in einem Fall Hebrisch] verzeichnet).
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Laymans Guide Kapitel: Woher kommen die Unterschiede in den Handschriften?
Der zweite Texttyp wird als Alexandrinischer Text bezeichnet. Er ist eine wichtige Gruppe, wenn auch nur wegen der relativ frhen Datierung seiner wichtigsten Handschriften. Auch wenn dessen Befrworter es bestreiten, scheint er doch richtigerweise als Rezension erkennbar zu sein, d.h., aus Sicht des Primats des Byzantinischen Textes als eine nachtrgliche Bearbeitung anderer Handschriften, mglicherweise eine Revision mit nderungen und Zustzen vom Westlichen Texte. Die bekanntesten Handschriften dieses Texttyps sind die Codizes Aleph () und B, beide aus dem 4. Jahrhundert, und eine Zahl frher in gypten erhaltener Papyri, wobei einige vor 200 zu datieren sind. Wie jeder Texttyp ist der Alexandrinische nicht einheitlich: faktisch unterscheiden sich dessen Hauptvertreter an 3000 Stellen allein in den vier Evangelien! Der Csarea-Text ist zwar eigenstndig genug so bezeichnet zu werden, wird aber allgemein nicht als ernstzunehmende Reflexion der Autographen gewertet. Er scheint eher eine Mischung verschiedener Byzantinischer und Alexandrinischer Texte zu sein. Der Byzantinische Text spiegelt eine groe Datenmenge wieder, die von zahlreichen Handschriften reprsentiert, von vielen Variantenstellen in frhen bersetzungen gesttzt und von frhen Kirchenvtern in Kommentaren erwhnt wird. Annhernd 95% aller griechischen Handschriften des Neuen Testaments enthalten den Byzantinischen Texttyp. Das Zentrum all dieser Handschriften war die vorwiegend griechischsprachige Welt Sditaliens, Griechenlands und der Groteil der Trkei ab dem 4. Jahrhundert bis zur Erfindung der Druckerpresse (Anmerkung: dies ist auch der geographische Raum, dem die Mehrzahl an Originalhandschriften des Neuen Testaments am Anfang des christlichen Zeitalters entstammen). Belege aus dieser Region vor dem 4. Jahrhundert sind gering oder gar nicht vorhanden; darauf wird spter eingegangen, wenn Einwnde gegen das Primat des Byzantinischen Textes besprochen werden.
Woher kommen die Unterschiede in den Handschriften? Warum gibt es berhaupt Unterschiede, wenn wir von einem einzigen Originaltext ausgehen, und warum gibt es insbesondere vier Textfamilien? Der Hauptgrund ist, dass es beim Kopierprozess zu Abweichungen zur Vorlage, also dem Manuskript, von dem abgeschrieben wurde, kam. Es gibt dabei zwei hauptschliche Arten von Varianten. Zunchst gibt es die ungewollten Kopierfehler. Das Sprichwort Irren ist menschlich beschreibt dabei treffend, was beim Kopiervorgang hufig vorkam. Wie sorgfltig ein Schreiber auch war, er verursachte beim Versuch, eine getreue Kopie vom Quelltext zu erstellen, auch hufig Fehler. Zugegebenermaen gab es auch verschiedene Arten bzw. Qualitten von Kopisten: Einige sind durch Veranlagung oder bung sorgfltiger, andere sind eher unachtsam. Es ist aber erkenn- und belegbar, dass die Kopisten des Neuen Testaments berwiegend sorgfltig arbeiteten, auch wenn sie unvermeidlich Fehler aus Unachtsamkeit machten.
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Laymans Guide Kapitel: Woher kommen die Unterschiede in den Handschriften?
Zur Verdeutlichung, wie es bei eigentlich gleichem Text zu einigen Varianten kam, ist folgender Abschnitt aus 1.Korinther 13 interessant (links: rev. Elberfelder; rechts: bersetzter Byzantinischer Text; Varianten unterstrichen):
Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tnendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. 2 Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis wei und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich Ruhm gewinne, aber keine Liebe habe, so ntzt es mir nichts. 4 Die Liebe ist langmtig, die Liebe ist gtig; sie neidet nicht; die Liebe tut nicht gro, sie blht sich nicht auf, 5 sie benimmt sich nicht unanstndig, sie sucht nicht das Ihre, sie lsst sich nicht erbittern, sie rechnet Bses nicht zu, 6 sie freut sich nicht ber die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, 7 sie ertrgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. 8 Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhren; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. 9 Denn wir erkennen stckweise, und wir weissagen stckweise; 10 wenn aber das Vollkommene kommt, [] wird das, was stckweise ist, weggetan werden. 11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich [] ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. 12 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stckweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin. 13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die grte aber von diesen ist die Liebe.
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Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tnendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel. 2 Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis wei und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, so ntzt es mir nichts. 4 Die Liebe ist langmtig, die Liebe ist gtig; sie neidet nicht; die Liebe tut nicht gro, sie blht sich nicht auf, 5 sie benimmt sich nicht unanstndig, sie sucht nicht das Ihre, sie lsst sich nicht erbittern, sie rechnet Bses nicht zu, 6 sie freut sich nicht ber die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, 7 sie ertrgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. 8 Die Liebe hrt niemals auf; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhren; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. 9 Nun erkennen wir stckweise, und wir weissagen stckweise; 10 wenn aber das Vollkommene kommt, dann wird das, was stckweise ist, weggetan werden. 11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war. 12 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stckweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin. 13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die grte aber von diesen ist die Liebe.
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Laymans Guide Kapitel: Die zwei wichtigsten Texttypen
Wer nun bezweifelt, dass Schreiber recht schnell und ohne bse Absicht Fehler machen konnten, sollte mal versuchen, einige Kapitel des Neuen Testamentes selbst zu kopieren. Danach sollte man die bereinstimmung vom eigenen Kopierversuch und dem gedruckten Text nochmals berprfen. Man knnte auch versuchen, mehrerer Kapiteln von einem griechischen Text zu kopieren (oder einer anderen Sprache, die man nicht vollkommen beherrscht). Die Fehlerhufigkeit bei den Versuchen wird drastisch hher, wenn man eine andere als die eigene Muttersprache kopiert. Das muss auch bedacht werden, da ja viele Schreiber whrend der Jahrhunderte des Griechischen nicht mchtig waren. Die zweite Ursache fr Varianten ist eine bewusste Anpassung, die wiederum zwei Ziele haben konnte: Erstens gab es Bemhungen, bestehende Fehler (ob nun real oder vermutet) zu korrigieren, wodurch Abweichungen zu vorherigen Exemplaren entstanden. Hierdurch wurden sicher viele unbeabsichtigte Fehler in dem zu bertragenen Text korrigiert, was eine Verbesserung bedeutete. Zum Zweiten bestanden jedoch Bemhungen, den bestehenden Text aus theologischen Grnden zu harmonisieren oder zu verbessern und an ein lehrmiges Gedankengebude anzupassen. Harmonisierung bedeutet, dass insbesondere in den Synoptischen Evangelien eine bestimmte Stelle an eine bekannte andere Parallelstelle angepasst wird. Natrlich haben wir aber auch zahlreiche Beispiele, wo Parallelstellen synoptischer Abschnitte gleichen Wortlaut ohne Varianten haben. Es wre also ein Trugschluss, bei identischen Inhalten einer synoptischen Parallele automatisch davon auszugehen, dass eine Stelle echt und die andere nur eine Harmonisierung ist. Religis motivierte Nachbesserung ist ein Vorgang, der dem Text fromme Zustze hinzufgt; so konnte ein Schreiber beispielsweise einem Text Herr zufgen, wo nur Jesus Christus stand. Schlielich bedeuten lehrmige Anpassungen genau das, was der Begriff schon sagt, nmlich die Anpassung des Textes, um eine bestimmte lehrmige Position zu legitimieren/untermauern. Bevor wir nun den weiteren Inhalten widmen, mchten wir zusammenfassend betonen, dass uns unter den Tausenden von Manuskripten keine zwei absolut identischen bekannt sind, auch wenn die bereinstimmung der Texte mindestens 94% betrgt. Da es nur einen einzigen Autographen, d.h. nur eine Original-Handschrift gab, Abschriften aber an verschiedenen Stellen Abweichungen aufweisen, zeigt es sich, dass es sich hierbei um bertragungsfehler handeln muss. Die primre Aufgabe der Textkritik ist nun, auf Basis der vorliegenden Abschriften trotz vieler Varianten herauszufinden, was der Text des ursprnglichen Autographen gewesen sein muss.
Die zwei wichtigsten Texttypen Heute gibt es zwei Hauptrichtungen in Bezug auf die Bestimmung des neutestamentlichen Textes. Eine Richtung knnte man als Byzantinisches Primat bezeichnen, diese vertritt den Ansatz, dass der Text, den man in der breiten Masse an neutestamentlichen 7
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Laymans Guide Kapitel: Die zwei wichtigsten Texttypen
Handschriften finden kann, das Original am wahrscheinlichsten reprsentiert. Die andere Richtung knnen wir als eklektische Schule bezeichnen, die einzelne Lesarten nach einigen bestimmten Prinzipien auswhlt. Konkret bevorzugt die vorherrschende eklektische Richtung in der wissenschaftlichen Disziplin der neutestamentlichen Textkritik der ca. letzten hundert Jahre hauptschlich den Alexandrinischen Texttyp. In diesem Aufsatz werden die Begriffe Alexandrinischer Texttyp und eklektisch gleichgesetzt, auch wenn jeder Begriff seine eigene Bedeutung hat. Der Byzantinische Text wird oft aus dem Grund belchelt, da er oftmals mit dem lange verachteten so genannten Textus Receptus bereinstimmt. Es ist jedoch so, dass der Textus Receptus nur ein mangelhafter Reprsentant des Byzantinischen Textes ist. So weist er zum Byzantinischen Text von heute an mehr als 1800 Stellen im Neuen Testament Unterschiede auf. Die Unterschiede zwischen beiden Texten sind so zahlreich und umfassend genug, dass man gewisse Vorbehalte o.. nicht einfach von dem einen auf den anderen anwenden kann. Abgesehen von diesem irrelevanten Einwand muss man dem Vorhandensein des Byzantinischen Textes allein schon Rechnung tragen. Diejenigen, die ihn angreifen wollen, mssen zumindest seinen Ursprung, sein Entstehen und seine Dominanz innerhalb des berlieferungsstroms ab sptestens dem 4. Jahrhundert bis zur Erfindung der Druckerpresse erklren knnen. Nachdem sich beobachtbare Sachverhalte am besten in Form eine Grundlagentheorie erklren lassen, sollten Kritiker des Byzantinischen Textes seine Dominanz durch eine eigene Theorie der berlieferung des Textes deuten knnen. Gegenwrtig werden Kritiken gegen den Byzantinischen Text eingebracht, die auf eigenen Vorstellungen und nicht auf tatschlich konkreten Mngeln basieren, wobei insbesondere zwei hervorstechen: Die erste Kritik ist ein Einwand von Westcott und Hort vor etwa 125 Jahren. Sie nahmen an, dass der Byzantinische Text als kritische Revision (Bearbeitung) in der zweiten Hlfte des 4. Jahrhunderts aufkam, mglicherweise durch ein Kirchenkonzil in Auftrag gegeben und von rtlichen Kirchen gutgeheien, dann immer beliebter wurde, bis er fast allgemeine Akzeptanz erfuhr. Das Problem mit dieser Erklrung ist, dass es nicht den geringsten historischen Beweis gibt, der so etwas belegen knnte. Der zweite Einwand (wird heutzutage gern verbreitet) vermutet, dass der Byzantinische Text das Ergebnis eines Prozesses sei, gleichwohl wir die vorgetragenen Details zur Erklrung dieser These als zu oberflchlich und unzureichend befinden mssen. Beide Einwnde basieren auf der Tatsache, dass es keine frhen Byzantinischen Handschriften (vor dem 4. Jahrhundert) gibt. Aber dieser Sachverhalt spricht alles andere als fr oder gegen irgendeinen Texttyp. Man muss sich vor Augen halten, dass wir nur eine verschwindend kleine Anzahl an Handschriften vor dem 4. Jahrhundert
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Laymans Guide Kapitel: Die zwei wichtigsten Texttypen
haben, egal welchen Texttyps und davon ist nur eine (75) durchgngig von einem bestimmten Texttyp (Alexandrinisch). Dazu folgende Veranschaulichung: Angenommen, wir durchsuchen in einer bestimmten lndlichen Region in Kansas Kisten mit alten Ordnern im Hinterzimmer des Bros des Brgermeister. Wir finden fast 6000 Belege fr Jagdlizenzen. Die groe Mehrheit davon ist fr die Hirschjagd und nur wenige fr die von Wachteln. Fast alle Lizenzen sind nach 1950 datiert und nur wenige stammen vor 1950. Vermutlich hat sie jemand schon lngst aus den alten Ordnern entsorgt. Keine der Lizenzen vor 1950 ist zur Hirschjagt und einige nur allgemeine Jagdscheine, ein paar sind Wachteljagd-Scheine. Wre es da schlssig, wenn man annimmt: Es wurden vor 1950 keine Hirschjagd-Scheine ausgestellt? Sicher nicht. Die meisten der Ordner vor 1950 bestehen nicht mehr, und die wenigen erhaltenen, sind nicht ausreichend, um weitere Schlsse zu ziehen. Aber es ist doch sehr wahrscheinlich, dass Scheine fr die Hirschjagd ausgestellt wurden, auch vor 1950, selbst wenn die alten Berichte heute nicht mehr vorhanden sind. Es ist angesichts des Trends nach 1950 vielmehr logisch, anzunehmen, dass auch vor 1950 mehr Scheine fr die Hirschjagd als fr die Wachteljagd ausgestellt wurden. Mglicherweise lsst sich das Problem der Akzeptanz teilweise so erklren: die Position, dass der Byzantinische Text tatschlich der beste Reprsentant der Autographen (Byzantinisches Primat) ist, ist so naheliegend, dass es den Kritikern zu einfach ist. Im Gegenteil: diese Erklrung zu den vorhandenen Kennzeichen der Manuskripte anzunehmen, wre leichter vertretbar als den Ansatz, den Befrworter des Alexandrinischen Textes als Erklrung heranziehen. Der andere Texttyp ist der Alexandrinische. Anders als die Handschriften des Byzantinischen Typs, die man ber das gische Kerngebiet der herkmmlichen griechischen Sprache verbreitet und ber die Jahrhunderte verwendet findet, stammt der Alexandrinische Typ hauptschlich aus dem zweisprachigen gypten (Griechisch und Koptisch) und sie betreffen nur die ersten Jahrhunderten des christlichen Zeitalters. Eine einzelne Handschrift kann einen Texttyp nicht hinreichend reprsentieren weder den Byzantinischen noch den Alexandrinischen. Daher mssen auf der Grundlage einer Theorie die erhaltenen Handschriften ein-/zugeordnet werden. Sowohl fr den Byzantinischen als auch den Alexandrinischen Texttyp braucht man eine Grundlagentheorie, die eine Wahl im Zuge der Bestimmung des besten Texttyps ermglicht. Beim Byzantinischen Texttyp setzt man daran an, wie man die Geschichte zurckverfolgen kann, wie Texte kopiert und verbreitet wurden (berlieferungsgeschichte). Diesen berlegungen werden laufend Vorrang eingerumt und sie werden sorgfltig gewichtet. Danach werden die Informationen aus externen Quellen eingeschtzt und abschlieend werden interne berlegungen abgewogen. Sollten irgendwo verschiedene Lesarten gefunden werden, so werden die oben genannten theoretischen berlegungen angewandt, um die richtige Auswahl an Varianten zu treffen.
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Laymans Guide Kapitel: Der eklektische Ansatz zur Bestimmung des Originaltextes
Der eklektische Ansatz zur Bestimmung des Originaltextes Fairerweise muss erwhnt werden, dass das Bevorzugen des Alexandrinischen Texttyps darauf basiert, dass man eine kleine Auswahl lterer Handschriften vorzieht, die einen grundstzlich gemeinsamen Minderheitstexttyp ausmachen (Alexandrinisch). Dessen Befrworter haben anscheinend kaum oder gar keine Theorie zur berlieferung des Textes, auf die sie ihre Entscheidungen bauen knnten. Sicher hingegen ist die Haltung der Befrworter des Alexandrinischen Typs, den Text Alexandrinischer Handschriften zu bevorzugen und den Byzantinischer Handschriften zu verwerfen. Die nach eklektischem Prinzip arbeitende Gelehrten fhrend insbesondere zwei Argumente an, um ihre Vorliebe fr Alexandrinische Handschriften zu begrnden:
- Die Alexandrinischen Handschriften stammen meist aus den frhen Jahrhunderten des christlichen Zeitalters und werden von ihnen als zeitlich nher an den eigentlichen Autographen gewertet. Die Vorannahme dafr ist aber u.a., dass eine frhe Handschrift das Original besser wiederspiegelt als eine sptere.
- Zudem bevorzugen sie Alexandrinische Handschriften aufgrund der Annahme, dass die breite Masse an Byzantinischen Handschriften nur das Produkt einer Massenfertigung von professionellen Schreibern eines gegltteten offiziell angeordneten Kirchentextes sei. Beide Argumente werden spter vertieft. Darber hinaus scheinen Befrworter des Alexandrinischen Texttyps von einer Art radikalen textlichen Eingriff in einem sehr frhen Stadium auszugehen, der keine einzige Handschrift unberhrt lie. Aus ihrer Sicht gibt es keinen erhaltenen Text oder Texttyp, der sie in ihren Entscheidungen ber den Text autoritativ leiten knnte; viel eher mssten die erhaltenen Fetzen, wie man sie nennen knnte, Stck fr Stck zusammengesetzt werden. Das Ergebnis solch eines Vorgangs ist ein Text, der in etlichen Variantenstellen nicht das wiedergibt, was in irgendeiner einzigen Handschrift steht. In der Welt des eklektischen Ansatzes bleiben wir vom Wissen und den Fertigkeiten des Textkritikers abhngig. Die Entscheidungen der Herausgeberschaft werden als nahezu endgltig betrachtet. Gem den Praktikern beim Alexandrinischen Texttyp gibt es keinen historischen Anhaltspunkt, um den Originaltext zu bestimmen, sondern nur unser eigenes antrainiertes Urteil als letzte Instanz. Diese Analyse selbst entscheidet, was theoretisch im Original wohl stand. Das Zeugnis zahlreicher Generationen von Schreibern und Lesern, angefangen von den Autographen bis zur Gegenwart, wird einfach ausgeblendet. Um zu erkennen, wie schlimm diese Ergebnisse wirklich sind, sollte man folgendes bedenken: Angenommen, in einem bestimmten Vers im griechischen Neuen Testament knnen zwei konkurrierende Varianten ausgemacht werden, A und B. Im Original http://forum.focusyourmission.org
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Laymans Guide Kapitel: Der eklektische Ansatz zur Bestimmung des Originaltextes
stand nicht A und B, sondern A oder B (oder eine andere Lesart). Lesart A wird von den Handschriften a, b, c, d, e, f bezeugt, Lesart B dagegen von g, h, i, j, k, l. Im selben Vers wird aber noch eine weitere konkurrierende Lesart, X und Y, bezeugt, nmlich von den Handschriften k, l, m, n, o, p und a, b, g, h, s, t. Unsere berlegungen und Untersuchungen ergeben, dass die Lesarten A und X original sind. Was heit das fr den vermeintlichen Autographen? Und was heit das fr unsere Methode, den Originaltext zu bestimmen? Es ist eine Methode, die einen Text produziert, der in keiner einzigen erhaltenen Handschrift so zu finden ist! Eine Veranschaulichung kann diesen wichtigen Punkt in einfachen Worten unterstreichen: Angenommen fnf Leute haben eine Liste mit zwanzig Gegenstnden kopiert, die ursprngliche Liste ist verschwunden und wir mssen sie nun aus den fnf Abschriften rekonstruieren. Die Personen A, B und C produzieren identische Listen. Die Kopie der Person D unterscheidet sich jedoch von A, B und C in einem Gegenstand, sagen wir Nummer 12. Die Kopie von E unterscheidet sich von denen von A, B und C auch in einem Gegenstand, aber es ist Nummer 18. Der eklektische Ansatz wrde folgern knnen, dass die Originalliste, von der alle fnf abschrieben, mit Person D in Gegenstand Nummer 12, mit Person E bei Gegenstand 18 bereinstimmt. Tatschlich produziert aber dieser Rekonstruktionsversuch eine Liste, die in keiner der fnf existierenden Kopien gefunden werden kann. Was bedeutet das fr die Methode, die ursprngliche Lesart zu bestimmen? Die Entscheidungen, die hinsichtlich der Lesarten dieses Verses (zwei Abschnitte zuvor) getroffen wurden, produzierten eine kombinierte oder fortlaufende Lesart, die in keiner uns erhaltenen Handschrift zu finden ist. Der einfache Grund ist, dass die Beleghandschriften fr A und X sich gegenseitig ausschlieende Anordnungen aufweisen in anderen Worten: keine Handschrift enthlt sowohl Lesart A und Lesart X. Die Herausgeber haben eine hypothetische Form dieses Verses bestimmt, so wie sie meinen, dass das Original lauten msste, die aber eine komplette Abweichung von dem (nach allem was man sagen kann) sind, was jeder Leser dieses Verses ber 20 Jahrhunderte vor Augen hatte. Hinsichtlich der anderen theoretisch mglichen Lesarten in unserem erfundenen Beispiel, nmlich AY, BX und BY, gibt es wenigstens Belege von zumindest zwei Handschriften. Das wollen wir nun anhand echter Daten untersuchen: In Johannes 5:2 gibt es zwei Reihen von variierenden Lesarten, die in erhaltenen Handschriften zu finden sind. Als erstes gibt es etwa sieben Lesarten, die unterschiedliche Kombinationen des Ausdrucks (beim/am) Schaftor ein Teich, genannt aufweisen; zweitens gibt es sechs Varianten hinsichtlich des Namens dieses Ortes: Belzetah, Bethesda, Bethaida, Bedsaida, Bedsaidan, Bethzatha. Die kombinierte und fortlaufende Lesart des eklektischen Ansatzes lautet dazu: Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, genannt auf Hebrisch Bethsatha, der fnf Sulenhallen hat. Das Problem bei der Bestimmung der ersten Lesart, die zufllig dem 11
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Laymans Guide Kapitel: Grundstze des Byzantinischen Primats
Byzantinischen Text folgt, ist, dass sie dem Zeugnis einer Reihe von Handschriften folgt, die bei der zweiten Variante eine andere Lesart aufweisen, nmlich Bethzatha. Die einfache Folge ist, dass die kombinierte Lesart in keiner uns bekannten Handschrift so steht. Der Byzantinische Text hingegen liest: Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, genannt auf Hebrisch Bethesda, der fnf Sulenhallen hat. Das ist der Text von Johannes 5:2, der so in vielen erhaltenen Handschriften steht und die historisch zuverlssige berlieferung des Textes demonstriert. Schockierend dabei ist, dass es mindestens 105 einzelne Verse in den modernen Ausgaben des eklektischen Textes des griechischen Neuen Testamentes gibt (z.B. der UBS und Nestle-Aland Text), die, wie im Beispiel der Kombination AX weiter oben, mit keinem einzigen greifbaren Handschriftenbefund nachgewiesen werden knnen. Diese Verse sind daher erfunden. Wenn zwei aufeinanderfolgende Verse untersucht werden, dann drei, ist das Endresultat ohne handschriftlichen Beleg exponentiell steil ansteigend. (Wenn wir tatschlich zwei aufeinander folgende Verse whlen, steigt die Summe auf 315). Die traurige Folge ist, dass die vornehmlich Alexandrinische Rekonstruktion, die mit der eklektischen Methode produziert und in den griechischen Textausgaben gedruckt wurde, zu keiner Zeit irgendeinem Leser bekannt war. Das heit: in krzeren Textabschnitten hat der moderne eklektische Text keine nachweisliche Existenz innerhalb der berlieferungsgeschichte und der Anspruch, die Autographen widerzuspiegeln bzw. die nchstmgliche Annherung daran zu geben, kann von den erhaltenen Handschriften, bersetzungen oder Daten der Kirchenvter nicht erhrtet werden. Man kann den Fehler des eklektischen Ansatzes im Versuch, den Originaltext zu rekonstruieren auch anders ausdrcken: Der Textkritiker, der der eklektischen Methode folgt, verwirft den Byzantinischen Texttyp als spt und bevorzugt den Alexandrinischen Texttyp. Durch die Zurckweisung der breiten Masse an Handschriften, von denen alle untereinander bereinstimmen, ist er gezwungen, von dem, was brig ist, Lesarten auszuwhlen und zwar aus Handschriften die stark voneinander abweichen, und das sogar auf der Ebene einzelner Verse, Satzteile oder Stze. Und nach sorgfltiger Anwendung seiner Auswahlmethoden hinsichtlich innerer und uerer Belege, bleibt ihm nur ein Text brig, der kein bereinstimmungsmuster mit irgendeiner erhaltenen Handschrift hat. Nach der Verwerfung der Lesart der Mehrheit muss er nun dazu bergehen, auch die Lesarten jeder anderen Handschrift zu verwerfen, einschlielich derer des Alexandrinischen Texttyps. Das ist der Text moderner eklektischer Ausgaben.
Grundstze des Byzantinischen Primats Was ist nun genau der Kern der Methode, die dem Byzantinischen Text Vorrang gibt? Am besten stellt sie Hort dar, obwohl er den Alexandrinischen Texttyp verfochten hat und das aufgrund verschiedener Anti-Byzantinischer Vorurteile: Tatschlich besteht eine theoretische Annahme, dass eine Mehrheit an erhaltenen Handschriften mit grerer Wahrscheinlichkeit eine Mehrheit an frheren Dokumenten zu jeder Zeit der berlieferung darstellt als [eine Minderheit] [Westcott und Hort, Einfhrung, 45]. http://forum.focusyourmission.org
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Laymans Guide Kapitel: Grundstze des Byzantinischen Primats
Im Bereich der auerbiblischen Wissenschaft wird folgende Aussage als Grundannahme betrachtet. Man nimmt an, dass es einen normalen Verbreitungsvorgang gibt, der allen handschriftlichen Dokumenten gemeinsam ist, seien sie skular oder geistlich. Wenn man die Schriften eines skularen und klassischen Autoren (Homer) betrachtet, dann findet man die gleiche Situation unter den dort erhaltenen Handschriften. Unter diesen Handschriften gibt es drei Gruppen: einen kurzen Text, einen lngeren und eine dazwischen befindliche Variante.
Handschriften mit dem kurzen Text deuten auf das Alexandrinische Know-how und die wissenschaftliche Revision hin. (Zur Erinnerung: Alexandria war das Zentrum mit der gewaltigsten Bibliothek der damaligen Zeit, in seiner Rolle nur noch Rom nachgeordnet). Diese Krzungen kann man auch im Alexandrinischen Texttyp der griechischen Handschriften erkennen: sie weisen deutliche nachtrgliche Bearbeitungen (unter anderem) auf, die den Text krzer machten. Die lngeren Texte knnen als volkstmliche Erweiterungen und Nachbesserungen durch Schreiber gewertet werden. Bemerkenswert ist die hnlichkeit von Homerischen Handschriften dieser Art mit denen des Westlichen Texttyps neutestamentlicher Handschriften. Schlielich kann man zwischen diesen Extremen auch mittleren oder gewhnlichen Text finden. Wie bei skularen Texten, ist es bei geistlichen: das Gros der Handschriften ist von dieser Art. Ohne vorgefertigte Urteile, die eine andere Schlussfolgerung nahelegen, scheint es so zu sein, dass normale Schreiberttigkeit und fortgesetzte berlieferung in den meisten Handschriften nicht nur einen sehr alten Text, sondern eine sehr reine Spur an altem Text bewahrten (Zitat von Hort in einfachen Anfhrungszeichen). Die Position des Byzantinischen Primats wird dadurch diskreditiert, dass dabei angeblich nur nackte Zahlen gewertet wrden. Jedoch ist rein mechanisches Zhlen weit davon entfernt, zu beschreiben, was diese Position ausmacht. Es gibt in der Tat viele Flle (insbesondere in Johannes 7:53-8:11 und in der Offenbarung), wo das Zeugnis der Handschriften nicht nur zweigeteilt ist, sondern auch in noch mehrere Varianten zerfllt; es gibt da keine Mehrheitslesart. Was wrden da die, die nur mit reinen Zahlen spekulieren, sagen? Nein, das Byzantinische Primat wird damit nicht korrekt dargestellt. Vielmehr verweisen die Prinzipien (weiter unten besprochen), die zum Primat des Byzantinischen Textes fhren, auf eine rationale berlieferungstheorie [eine Theorie der berlieferung, die man auf Variantenstellen anwendet], die zur Beurteilung der berlieferungswahrscheinlichkeit innere und uere Kriterien bercksichtigt. Innere Kriterien beinhalten diejenigen Punkte, die einen inneren Wahrscheinlichkeitsquotienten fr den, der auswertet, ausmachen. Das sind Antworten auf Fragen in Bezug auf den Schreiber und was er wohl an bestimmten Stellen getan hat, absichtlich oder unbewusst. uere Kriterien sind das Zeugnis der Handschriften, frhen bersetzungen und Kommentaren der Kirchenvter, abgewogen, um bestimmen zu knnen, welche Lesart 13
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die beste uere Bezeugung aufweist. Besondere Aufmerksamkeit wird den Gewohnheiten der Schreiber beigemessen, wenn sie Text beibehalten, ndern oder irgendwie zerstren. Dieser Ansatz geht auch davon aus, dass die Entwicklung in der berlieferung zu Familien oder Gruppen von Texttypen fhrt. Zudem betont sie, dass der Text in seiner grundstzlichen Zuverlssigkeit ber die berlieferungsgeschichte hinweg beibehalten wurde.
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Laymans Guide Kapitel: Wie innere Kriterien bestimmt werden
Wie innere Kriterien bestimmt werden Es gibt groe Schnittmengen bei den Prinzipien, die von Vertretern des Byzantinischen Primats und von denen des Alexandrinischen Eklektizismus angewandt werden. Der Byzantinische Ansatz weist jedoch eine der Prinzipien der eklektischen Methode ausdrcklich von sich, nmlich, dass die krzere Variante zu bevorzugen sei. Obwohl es so scheinen knnte, dass die Byzantinische Auffassung dieses Prinzip zurckweist, nur um ihre Sache gegen den krzeren Alexandrinischen Texttyp (ein Unterschied von etwa zweitausend Wrtern im gesamten Neuen Testament, mit etwa 138.000 Wrtern im Alexandrinischen Texttyp gegenber 140.000 im Byzantinischen Text) zu vertreten, ist dies nicht der Fall. Der Grund, warum das Prinzip abgelehnt wird, ist einfach der, dass es berzeugende Beweise gibt, dass Fehler bei Schreibern den Text in einer Vielzahl von Fllen krzer machen, also nicht erweitern wie bei bewussten Erweiterungen durch Schreiber. Aktuelle und umfassende Studien zum Schreiberverhalten geben klare Hinweise dieses Sachverhalts (siehe Prinzip 8 weiter unten). Zunchst sollen die Grundstze innerer Grnde (IG) angefhrt werden, die von der Theorie des Byzantinischen Primats anerkannt werden. (Diese kursiv dargestellten Grundstze, stammen direkt von Prof. Maurice Robinson). IG1:
Diejenige Lesart ist vorzuziehen, die das Aufkommen aller anderen in einer Einheit von Varianten am wahrscheinlichsten erklrt. Dieses Prinzip wird von beiden Richtungen akzeptiert, jedoch mit folgendem Unterschied: Der Alexandrinisch-eklektische Ansatz nutzt dieses Prinzip fr jede und auch wirklich jede einzelne Variante. Die Theorie des Byzantinischen Primats hingegen, fordert Rechenschaft nicht nur darber, wie die verschiedenen konkurrierenden Varianten von der ersten abstammen, sondern auch, wie eine Lesart beim Kopieren im Hinblick auf den Zusammenhang mit benachbarten Varianteneinheiten aufgekommen sein knnte. Das folgende Beispiel aus Johannes 9:4 gilt es dabei besonders zu beachten: Der moderne kritische Text wie in UBS/NA lautet bersetzt: WIR mssen die Werke dessen tun, der MICH gesandt hat. Der Byzantinische Text liest: ICH muss die Werke dessen tun, der MICH gesandt hat. Die Belege fr die Kombinationen WIR-MICH, ICH-MICH und WIR-UNS lauten:
WIRMICH: ICHMICH: WIRUNS: ICHUNS:
B 070; Byz a A C f1 f13 33 lat syr: 66 75 *L W bo; nicht bezeugt.
Es ist im Hinblick auf die berlieferungswahrscheinlichkeit nicht logisch erklrbar, wie die Lesart von nur zwei Handschriften (B und 070) von all den ber tausend Zeugen, Handschriften, frhen bersetzungen, Kommentaren der Kirchenvter, alle anderen Lesarten hervorgerufen htte sollen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Byzantinische Lesart (Byz), nmlich ICHMICH, 15
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ursprnglich ist und von Alexandrinischen Schreibern in die Aufmunterung WIRUNS gendert wurde, was dann in B und 070 zu dem noch problematischeren WIRMICH kombiniert wurde (die genannten Abkrzungen fr verschiedene Handschriften sollten den Leser nicht stren. Was damit veranschaulicht werden sollte, ist auch ohne die Kenntnis spezieller Eigentmlichkeiten von Handschriften, die in vielen kritischen Ausgaben des griechischen Neuen Testaments auftreten, bedeutsam.) IG2:
Die Lesart, die fr einen Schreiber schwerer hervorzubringen ist, ist zu bevorzugen. Dieses Prinzip basiert auf der Annahme, dass ein Schreiber eine Lesart niemals schwieriger machen wrde als eine einfachere in seiner Vorlage. Dass dies aber dennoch unbewusst passieren kann ist unbestritten. In Anbetracht der allgemeinen Zuverlssigkeit der berlieferung des Textes muss dieses Prinzip wie folgt angepasst werden: die schwierigere Lesart ist dann zu bevorzugen, wenn sie im Korpus einer greren berlieferung zu finden ist und nicht nur in Einzelzeugen oder von einander abhngigen Minderheitsgruppen. Das Prinzip kann man in Lukas 6:1 veranschaulichen, wo der Byzantinische Text EN SABBATW DEUTEROPRWTW (am zweiten Erst-Sabbat) liest, whrend der kritische Text EN SABBATW (an einem Sabbat) liest. Die Lesart des kritischen Textes vermeidet die Schwierigkeit, zweiter Erst- erklren zu mssen. Eine Bedeutung, die wir heute nicht mehr wissen, aber das Wort konnte nicht grundlos erfunden oder zufllig produziert worden sein. Die folgende Debatte bringt den Titel A Laymans Guide an die Grenzen, knnte aber interessant fr Leser sein, die das Thema weiter vertiefen mchten! Der Kommentar von Metzger kann das Problem der Byzantinischen Lesart nur durch einen hochgradig verwirrenden Prozess erklren, der aber kaum berzeugen kann:
- An einem Sabbat ist original
- Ein spterer Schreiber sah, dass ein anderer Sabbat in Lukas 6:6 beschrieben wird und entschloss sich Erst vor Sabbat einzufgen
- Ein weiterer Schreiber erinnerte sich daran (!), dass in Bezug auf Sabbate (Mehrzahl) schon vorher in Lukas 4:31 erwhnt wurde, aber er bernahm den Bezug als ob es Einzahl wre und betrachtete Lukas 4:31 als den ersten Sabbat, aber machte dies dann in Kapitel 6:1 zum zweiten Sabbat
- Dieser Schreiber ergnzte zweiter entsprechend am Rand und schrieb Punkte ber das Wort Erst im eigentlichen Text, um anzuzeigen, dass dies weg sollte
- Danach habe ein dritter Schreiber ordnungsgem beim Kopieren das Wort zweiter eingefgt, aber bemerkte nicht, dass die Punkte ber dem Wort Erst standen und hinterlie so die unsinnige Lesart DEUTERW PRWTW (an einem zweiten eines ersten) im eigentlichen Text.
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- Schlielich htte ein vierter Schreiber die Schwierigkeit gelst, indem er die beiden Wrter in ein Wort zusammenschrieb DEUTEROPRWTW, die Schreibweise nderte und nicht daran interessiert war, ob die Lesart Sinn ergab (htte Verstndnis eine Rolle gespielt, htte er entweder DEUTERW oder PRWTW oder beide beseitigt);
- Diese eine Handschrift wre dann der Vorvater von nahezu allen erhaltenen Handschriften ber die berlieferungsgeschichte hinweg geworden, ohne Versuche das Original wieder herzustellen, auch wenn niemand die Bedeutung zweiter Erst verstehen konnte. Die Frage ist natrlich, ob solch eine Kette von Ereignissen wahrscheinlich ist und selbst wenn, ob dann aus Grnden der berlieferungswahrscheinlichkeit jemand eine einzige verflschte Handschrift fr den Vorfahren fast aller anderer vermuten wrde; und das ganz ohne massive Versuche einer Korrektur einer solchen extrem schwierigen Lesart. Des Weiteren spricht gegen eine solche Vermutung, dass es keinen dokumentierten Beweis fr diese Flle an Zwischenschritten gibt. Im Vergleich dazu ist die einfachere Lsung (Theorie des Byzantinischen Primats) naheliegender: egal was zweit-Erster im ersten Jahrhundert bedeutet haben mag, der Ausdruck war eindeutig schwer zu verstehen und die Bedeutung ging Mitte des zweiten Jahrhunderts verloren. Somit haben es einige wenige Schreiber (zumeist gyptische oder die, deren Handschriften sie vorliegen hatten) diesen Ausdruck ausgelassen (4 B L W f1 33 579 1241 2542 pc it sy-p, sy-hmg sa bo-pt). IG3:
Lesarten, die zum bekannten Stil, Vokabular und der Syntax des ursprnglichen Autors passen, sind zu bevorzugen. Dabei geht man davon aus, dass Schreiber wenn ansonsten alles gleich zu gewichten ist eher dazu neigen, den Stil und das Vokabular des kopierten Autors zu nderen anstatt sich ihm anzupassen. Dieses Prinzip muss man jedoch sehr vorsichtig anwenden. OUN also ist beispielsweise charakteristisch fr den Stil von Johannes. Aber DE aber wird hufiger bei Johannes gebraucht als OUN. Wenn also zwei Handschriften zwischen OUN und DE variieren, kann uns dieses Prinzip nicht Aufschluss geben, was zu whlen ist; beide Lesarten sind ja typisch fr Johannes. berlegungen zu Geschichte und berlieferung wrden strkeres Gewicht auf die Handschriften legen, die eine bestimmte Lesart besser nachweisen als eine andere.
IG4:
Lesarten, die deutlich harmonisieren oder den Wortlaut eines anderen Abschnitts bernehmen, sind abzulehnen. Obwohl durchaus Harmonisierungen beim Kopieren auftreten knnen, wird deren Hufigkeit berschtzt. Befrworter der eklektischen Position sind schnell dabei, eine Byzantinische Lesart als klaren Fall einer Harmonisierung zu
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deklarieren; sie gehen davon aus, dass Schreiber, die Byzantinischen Text kopieren, blicherweise Harmonisierungen betreiben wrden. Aber warum sollten nur Byzantinische Schreiber harmonisieren? Wenn das eine normale Gewohnheit der Schreiber wre, warum dann nicht aller Schreiber, egal welche Familie von Handschriften kopiert wird? Effektiv nachweisbare Flle von Harmonisierungen sind relativ selten und treten nur sporadisch auf. Daneben haben wir bei Parallelstellen viele Beispiele von identischem Wortlaut in den Evangelien, ohne dass der Text zweifelhaft wre. Wenn es also so eine Variante gibt, warum sollte man dann annehmen, dass es eine Harmonisierung durch einen Schreiber war und nicht vielmehr vom Autor selbst stammt? Nochmals: die Apparate zeigen uns, dass Harmonisierung oder Angleichung in keinem groen Umfang auftraten. Das wiederum zeigt, dass die Geschichte der berlieferung bei allen Fllen von Harmonisierung bercksichtigt werden muss. IG5:
Lesarten, die als offensichtliches Zeichen der Frmmigkeit des Schreibers oder religis motivierter Zusatz oder nderung erscheinen, werden als sekundr bewertet (unter sekundr verstehen wir, dass die Lesart nicht im Original stand, sondern von Schreibern erzeugt wurde). Bei Varianten diesen Typs wre es naiv, die krzere Lesart als original und alle anderen als fromme Zustze zu werten. Im Fall von 1.Korinther 5:5 liest der Byzantinische Text etwa der Tag des HERRN JESUS; diese Lesart wird von der groen Zahl an Byzantinischen Handschriften und dem Alexandrinischen Codex bezeugt. Der eklektische Text hat jedoch die krzeste Lesart gewhlt: der Tag des HERRN. Diese Lesart findet sich in den Alexandrinischen Handschriften 46 und B und einigen weitere Handschriften. Die Lesart mit der lngsten Erweiterung lautet: der Tag UNSERES HERRN JESUS CHRISTUS; diese lange Lesart (mit oder ohne UNSER) findet sich in der Unziale A und wenigen weiteren Handschriften. berlieferungswahrscheinlichkeiten deuten deutlich auf die mittlere Form des Byzantinischen Textes hin als diejenige Lesart, von der alle anderen abstammen: der Tag des HERRN JESUS. Kritiker des Byzantinischen Textes kritisieren an dieser Lesart, dass sie eine Erweiterung ist, die die Frmmigkeit des Schreibers zeigt; solche Kritiker sollten aber dann erklren, warum der Byzantinische Text in 1.Korinther 5:5 eine mittlere Form enthlt: der Tag des HERRN JESUS. Warum haben die Schreiber nicht gleich zu UNSEREM HERRN JESUS CHRISTUS erweitert? Tatschlich gibt es zahlreiche lngere Formen gttlicher Namen im griechischen Neuen Testament, die berhaupt keine Varianten aufweisen; offensichtlich sind diese alle auch ursprnglich.
IG6:
Die primre berlegung hinsichtlich einer Lesart sollte auf deren berlieferungswahrscheinlichkeit beruhen. Dieses Prinzip ist so alt wie Westcott und Hort, die 1881 ihr eklektisches griechischen Neues Testament verffentlichten, es aber inkonsequent anwendeten. Vereinfacht gesagt: ein einzelner Fehler oder eine versehentliche
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nderung werden nicht sehr wahrscheinlich in groer Zahl fortgefhrt. Die vielen Singulrlesarten, die nicht weiterkopiert wurden, sondern mit der Handschrift ausstarben, die sie hatten (oder hchstens nur wenige weitere Handschriften), sind Beleg, dass die meisten Flle bewusster oder unbewusster Fehler von den Schreibern nicht in ihre Kopien einbezogen oder fortgesetzt wurden. IG7:
Versehentliche Abschreibfehler sind eher wahrscheinlich die Ursache fr erkennbare Varianten als bewusste nderungen. Viele Variantenstellen sind das Ergebnis von Abschreibfehlern. Das schliet alle Senseless Readings (unsinnige Lesarten) ein, aber einerseits auch alle erkennbaren Auslassungen eines Buchstaben, einer Silbe oder von Wrtern wie auch Vorkommen von Haplographie, Dittographie, Homoioteleuton und hnlicher Fehler andererseits. Der Sinn dieses Prinzips ist, dass man versehentliche Abschreibfehler als Erklrung fr eine Variantenstelle annehmen sollte, bevor man an bewusste Eingriffe denkt.
IG8:
Weder eine krzere noch eine lngere Lesart gilt es vorzuziehen. Die Annahme eklektischer Textkritiker ist ja, dass Schreiber eine starke Tendenz zur Ergnzung/Anreicherung hatten, sei es bei den Heiligen Namen oder bei der Zusammenfgung verschiedener Erzhlungen. Trotzdem lassen sich solche Annahmen nicht durch vorhandene Daten sttzen. Wre es so, wrden gttliche Bezeichnungen in weit grerem Umfang erweitert worden sein, Parallelstellen in weit grerem Umfang harmonisiert worden und ein viel strker vermischter Text die Folge sein. Aber das ist nicht der Fall. Das bedeutet, dass die Arbeitsthese der eklektischen Textkritiker widerlegt ist, eine Annahme also, die von Haus aus den Alexandrinischen Text bevorzugt. Gleichzeitig ist aber auch die Annahme, dass immer der lngste Text zu bevorzugen sei, was den Westlichen Text bevorzugen wrden, ebenfalls nicht zu belegen.
Wie externe Kriterien bestimmt werden Die Methode, die dem Byzantinischen Text den Vorrang gibt, befasst sich nicht in erster Linie damit, wie viele Handschriften eine bestimmte Lesart belegen, sondern, wie diese Handschriften ber einen lngeren Textabschnitt in Wechselwirkung stehen (das bezieht berlegungen zur berlieferung mit ein). Eine Abfolge von Lesarten im Text, jeweils von einer hnlichen Zahl an Handschriften bezeugt, legt Stabilitt hinsichtlich der berlieferung nahe. Lesarten, die keine Bezeugung einer solchen Abfolge aufweisen, wren damit verdchtig und deren Reihenfolge an Wrtern im Text wrde die ursprngliche Formulierung der Schrift nicht widerspiegeln.
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Laymans Guide Kapitel: Wie externe Kriterien bestimmt werden
Damit kommen wir zu einigen Grundstzen externer Kriterien (EK): EK1: Das Ausma an erhaltenen Belegen zum Text des Neuen Testamentes schliet ein reines Ratespiel darber aus (sog. Konjekturen [siehe Glossar]), was in einem vermeintlich fehlerhaften Text ursprnglich gestanden hatte. Einzig und allein die Annahme, dass der ursprngliche Wortlaut des Textes vllig verloren ging und das trotz aller erhaltenen Zeugen (Handschriften, bersetzungen, Kirchenvtern), kann eine Konjektur rechtfertigen. Nachdem aber das Neue Testament viel breiter als jedes andere per Hand kopierte Dokument aus alten Zeiten bezeugt ist, gibt es gar keine Rechtfertigung fr so einen Ansatz, den ursprnglichen Text wiederherzustellen. EK2: Lesarten, die nur selten in der berlieferung vorkommen, sind verdchtig. Normalfall textlicher berlieferung ist, dass die Wurzel (Autographen) Zweige (berlieferung) hervorkommen lsst. Whrend dieses Wachstums und Verbreitung folgender Kopien-Generationen mssten die Autographen weiterhin nachweisbar sein. a. Eine Lesart, die nur in einer Handschrift, einer frhen bersetzung oder bei einem Kirchenvater vorhanden ist, gilt als sehr verdchtig. Es ist irrational, wenn man annimmt, dass alle auer einer einzigen Handschrift vom ursprnglichen Wortlaut abgeirrt sind. b. Lesarten, die in nur wenigen Handschriften erhalten sind, sind verdchtig. Je weniger Texte eine bestimmte Lesart aufweisen, desto unwahrscheinlicher ist deren Ursprnglichkeit. Selbst wenn die Lesart in etlichen Handschriften vorkommt, die eine kleine Gruppe oder einen Texttypen bilden, ist diese Lesart verdchtig, solange eine solche Gruppe oder Texttyp unbedeutender sind als ein umfangreicherer Texttyp. EK3: Ein verschiedentlich belegtes Zeugnis ist hoch einzuschtzen. Das heit in anderen Worten: Wenn es Hinweise fr eine bestimmte Lesart gibt, die in verschiedenen Quellen zu finden ist, dann ist sie wesentlich wahrscheinlicher ursprnglich, als wenn sie nur durch eine Quelle belegt ist. Dieser Grundsatz hat zwei Gesichtspunkte, die fr sich genommen unzureichend sind, den Text zu rekonstruieren, aber zusammengenommen eine bestimmte Lesart begrnden knnen. a. Eine Lesart, die von verschiedenen frhen bersetzungen oder Kirchenvtern belegt ist, zeigt eine breitere Bezeugung als eine ohne diese Belege. Je breitgefcherter die Belege sind, desto besser. Jedoch ist es unzureichend, wenn eine Lesart in verschiedenen frhen bersetzungen vorkommt. Wenn sie nicht auch in den griechischen Handschriften selbst zu finden ist, bleibt sie sekundr. http://forum.focusyourmission.org
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Laymans Guide Kapitel: Wie externe Kriterien bestimmt werden
b. Eine Lesart, die in unterschiedlichen Texttypen zu finden ist, gilt als strker bezeugt als eine, die auf einen Texttyp oder Handschriftenfamilie begrenzt ist. Von diesem Prinzip profitiert der Byzantinische Texttyp am meisten: das bedeutet, dass es viel mehr Lesarten gibt, die sowohl mit dem Alexandrinischen als auch Byzantinischen Text bzw. sowohl im Westlichen und Byzantinischen zusammengehen, als Flle, wo nur der Alexandrinische und Westliche Text zusammengehen, aber die im Byzantinischen nicht vorhanden sind. EK4: Falls mglich, ist die reine Anzahl an Handschriften sinnvoll zu reduzieren. Bei einigen Handschriften kann man verwandtschaftliche Abhngigkeiten erkennen. Um diese zu verrechnen, sollte man jede Gruppe oder Familie als Einheit nehmen. Es ist aber unzulssig, eine Verwandtschaft so anzuwenden, dass man einen ganzen Texttyp als eine einzige Einheit verrechnet (wie es Gegner des Byzantinischen Texttyps oft fr diesen veranschlagen), whrend man einzelne Handschriften anderer Texttypen als wichtige Einzelzeugen behandelt. Der auf Grundlage von berlieferungsfaktoren als ursprnglich angenommene Texttyp kann als ursprngliche Textform bezeichnet werden, also beispielsweise als genau die Wortfolge der ursprnglichen Autographen, so exakt wie sie durch Belege eben bestimmt werden kann; von dieser Textform stammen alle anderen Texttypen ab. Auf dieser Basis kann allein der Byzantinische Texttyp als tatschlich geeignet anerkannt werden, die ursprngliche Textform auszumachen. Alle anderen konkurrierenden Formen des Textes zeigen (in absteigender Abfolge) Texttypen oder Untertypen oder Handschriftenfamilien, die jeweils letztendlich in der berlieferung aus einer einzigen ursprnglichen Textform entstanden. EK5: Handschriften mssen immer auch gewichtet und nicht nur gezhlt werden. Obwohl das Prinzip unter EK4 zulssig ist, mssen alle Handschriften auch immer auf ihren textkritischen Wert hin eingruppiert bzw. gewichtet werden. Zu gewichten bedeutet grundstzlich zu sehen, wie verlsslich eine Handschrift abgeschrieben ist. Eine sptere Handschrift kann beispielsweise eine viel frhere Form des Texts aufweisen; eine gut kopierte Handschrift kann hingegen auch eine minderwertige Form von Text berliefern. Eine schlecht kopierte Handschrift kann eine ansonsten berlegene Form des Textes bieten. Daher ist eine Bestimmung der individuellen Gewohnheiten eines Schreibers sehr wichtig. Ein Schreiber, der dazu neigt, Wrter oder Ausdrcke auszulassen (Haplographie) ist wertlos, wenn es darum geht, eine Einfgung oder Auslassung bestimmter Wrter, Ausdrcke oder Verse als ursprnglich zu bestimmen, selbst 21
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wenn dieser Schreiber in Bezug auf andere Varianten zuverlssig war, z.B. bei Ersetzungen oder Umstellungen. Obwohl diesem Grundsatz groe historische Wichtigkeit zukommt, wurde bisher wenig Mhe darauf verwandt, die Gewohnheiten einzelner Schreiber zu beurteilen. Recht hufig wird dieses Prinzip fr nichts anderes benutzt, als die Byzantinische Textform in Misskredit zu bringen. EK6: Es ist entscheidend, die nachweislich ltesten Lesarten zu bestimmen. Dabei ist das Alter der Abschrift nicht so bedeutsam wie das Alter des Textes, der darauf geschrieben wurde. Es ist zu beachten, dass das Alter des Textes immer lter als das der Abschrift ist, die ihn enthlt schlielich war es die Aufgabe des Schreibers ein altes Manuskript abzuschreiben und so ein neues zu anzufertigen und dass das Alter des Textes mindestens so hoch ist wie die Lesarten im Text. Dabei ist es weiterhin wichtig, die frhestmgliche Besttigung fr eine bestimmte Lesart innerhalb der vorliegenden Belege zu finden. Falls es fr eine bestimmte Lesart keine frhen Belege gibt, knnte sie verdchtig sein; Jedoch nur weil einer Lesart kein frhes Datum zugeschrieben werden kann, folgt daraus nicht, dass allein aufgrund dieses Kriteriums, die Ursprnglichkeit unwahrscheinlich ist. Wie kann man nun bestimmen, was frh und was spt ist? Im 19. Jahrhundert erklrten Westcott und Hort viele Lesarten fr sekundr (d.h. als nicht ursprnglich) und spt. Jedoch haben zwischenzeitliche Funde seit Westcott und Hort insbesondere unter gyptischen Papyri erwiesen, dass viele dieser spten Lesarten sehr alt waren. Es wird gegenwrtig davon ausgegangen, dass viele, wenn nicht sogar alle wichtigen Lesarten vor dem Jahre 200 in Erscheinung traten; man sollte somit vorsichtig sein, wenn man nur aufgrund des fehlenden hohen Alters einer Handschrift, die momentan zur Verfgung steht, behauptet, dass auch das hohe Alter einer darin enthaltenen bestimmten Lesart nicht vorhanden ist. Es ist bekannt und weithin akzeptiert, dass einige spte Handschriften sogar Handschriften, die in der Zeit der Minuskeln (also ab dem 9. Jahrhundert) entstanden sind frhe nicht-byzantinische Lesarten/Texttypen enthalten haben. Ist es von daher nicht sinnvoll anzunehmen, dass einige Minuskel-Handschriften mit Byzantinischem Texttyp ebenfalls hnlich frhen Charakter haben? Wenn man nun davon ausgeht, muss man sich fragen, wo man die Grenzlinien zieht. Es gibt plausible Grnde, davon auszugehen, dass alle Handschriften bis ins spte 10. oder 11. Jahrhundert einen frhen Texttyp mit frhen Lesarten kennen. Wie kann so etwas mglich sein? Der folgende Abschnitt erklrt das. Es gab zwei hauptschlich bergnge in der Geschichte des Neuen Testaments (die man als Kopier-Revolutionen bezeichnen kann), die dafr sprechen, dass sptere Handschriften viel ltere Texte aufweisen. An diesen beiden Punkten kam es dazu, dass zahlreiche frhere Handschriften einem massiven nachtrglichen http://forum.focusyourmission.org
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Kopierprozess unterzogen wurden, die die Urschriften massenhaft ersetzten. Der erste Zeitpunkt war, als Kaiser Konstantin das Christentum im Jahre 313 im Toleranzedikt von Mailand anerkannte. ber Nacht wurde eine verfolgte Minderheit zu einer anerkannten Einheit mit staatlicher Untersttzung. Daher ist es kein Zufall, dass der Beschreibstoff ab dieser Zeit immer hufiger vom billigen und brchigen Papyrus zum dauerhaften und kostspieligen Pergament (wie bereits hingewiesen) ausgetauscht wurde. Pltzlich kam es zu neuer Nachfrage an Schriften und nicht wie sie frher geschrieben wurden, sondern jetzt auch auf Pergament. Das Ergebnis war eine rasante Ankurbelung der Produktion von neuen Kopien. Wahrscheinlich machten Gemeinden sorgfltige Abschriften ihres Neuen Testamentes auf teurerem Pergament und entsorgend respektvoll ihre ausgedienten Papyrus-Handschriften. Die Auswirkung dieser ersten Kopie-Revolution ist folgende: Es gibt einige Unzial-Handschriften mit sehr hnlichem Text, die mit groer Wahrscheinlichkeit von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen: E, F, G und H machen eine solche Gruppe verwandter Unziale aus, eine andere Gruppe besteht aus S, U, V, und . Dann gibt es auch eine recht unabhngige Gruppe von Unzial-Handschriften, die erst im 9. Jahrhundert angefertigt wurden. Es ist wahrscheinlich, dass alle diese Unziale auf Basis frher Papyrus-Handschriften angefertigt wurden. Es gibt genauso wenig Grund, daran zu zweifeln wie daran, dass die Unziale Alpeh () und B von frhen Papyri abgeschrieben wurden. ( und B sind zwei alte UnzialHandschriften, die heutzutage von eklektischen Textkritikern hoch geschtzt werden). Wenn das also zutreffend ist, sollten alle Pergament-Unziale dazu verwendet werden, den Text des Neuen Testamentes zu bestimmen. Die zweite Kopier-Revolution fand im 9. Jahrhundert statt (800-900), als die Handschrift rasch von Unzial- zur Minuskelschrift berging. Innerhalb von 150 Jahren wurde keine Unzial-Schrift fr fortlaufende Handschriften des Neuen Testamentes mehr verwendet. Die Auswirkungen dieser zweiten KopierRevolution ist hnlich zur ersten: innerhalb einer kurze Zeitperiode wurden Unzialhandschriften viel frheren Alters auf Handschriften mit der neuen gngigen Schrift bertragen und danach ausgesondert. In Verbindung damit, dass im Byzantinischen Reich eine Wiederbelebung der Gelehrsamkeit aufkam, die einen zuverlssigen Text wnschte, griff man auf frhere alte Handschriften zurck. Das so eine Bewegung tatschlich stattfand, kann man anhand der Existenz von verschiedenen Minuskelhandschriften sehen, die anerkanntermaen alten (gewhnlich) Alexandrinischen Texttyp aufwiesen. EK7: Die Idee einer einzelnen besten Handschrift oder besten Handschriftengruppe ist im Hinblick auf Belege fr eine nachweisliche berlieferung unwahrscheinlich. Einige schlecht kopierte Handschriften knnen auch guten Text enthalten, ebenso wie sorgfltig kopierte Handschriften minderwertige Texte aufweisen knnen. Innerhalb verschiedener Texttypen sind einige Handschriften bessere 23
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Stellvertreter dafr als andere. Wenn das alles zutrifft, dann fhren berlegungen zur berlieferung dazu, das Konzept, dass eine Einzelhandschrift oder Handschriftengruppe eine herausragende Stellung haben sollten, auszuschlieen. Dieses Prinzip gilt auch fr die Reihe von Handschriften des Byzantinischen Textes. Keine Einzelhandschrift kann und darf als die allein Beste gewertet werden. EK8: Das Konzept, dass man sich ausschlielich auf die ltesten Handschriften oder Zeugen zu verlassen hat, ist aufgrund von berlegungen zur berlieferung unhaltbar. Die Aussage das lteste das Beste ist ein Trugschluss, da auch sptere Handschriften einen lteren Text konserviert haben knnen als frhere. EK9: berlegungen zur berlieferung in Verbindung mit inneren Kriterien verweisen auf die Byzantinische Textform als mageblichen Faktor in der Geschichte der berlieferung. Man kann nicht vor einer Analyse schon behaupten, dass die Byzantinische Textform die ursprngliche Form des Textes oder der berlegene Texttyp ist. Diese Folgerung folgt erst als logische Ableitung aufgrund innerer und uerer berlegungen zur berlieferungswahrscheinlichkeit, wenn man diese im historischen Rahmen im Vergleich mit anderen Werken der Antike betrachtet. Es ist zu beachten, dass die Theorie des Byzantinischen Primats viele Flle mit geteilten ueren Kriterien und keiner deutlich berlegenen Lesart, [die die berlieferungslinie aufweist], nicht lsen kann. In solchen Fllen mssen innere Kriterien in Verbindung mit berlieferungswahrscheinlichkeiten angewandt werden, um die beste Lesart zu bestimmen. Genauso lassen innere Kriterien auch oft keine klare Entscheidung allein zu und auch uere Kriterien mssen eine entscheidende Rolle spielen. Es gibt auch Flle, wo die Handschriften gespalten und innere Kriterien nicht hinreichend sind. Da kann man bestenfalls ein begrndetes wissenschaftliches Gutachten erwarten. [Nebenbemerkung: Obwohl es solche Flle gibt, wo die ursprngliche Lesart schwer zu bestimmen ist, sind fast alle dieser Flle Detailfragen, die die grundstzliche Zuverlssigkeit des Neuen Testamentes, wie wir es berliefert bekommen haben nicht beeinflusst.] Der Grundsatz, innere und uere Kriterien abzuwgen, ist einfach und kann nach den bekannten Grundstzen der Schreibergewohnheiten gegliedert werden: 1) Varianten sollte man mit der Absicht bewerten, [wie der Prozess der Abschriften eine zufllige Variante hervorgerufen haben knnte]. 2) Lesarten sollten auch nach bewussten Eingriffen hin untersucht werden; 3) Letztendlich sollten auch [konkurrierende Lesarten] aus der Sicht der geschichtlichen berlieferung heraus beurteilt werden, um Vorannahmen zu besttigen oder zu korrigieren. Die konsequente Anwendung dieser Methode wird zu begrndeten Schlssen http://forum.focusyourmission.org
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Laymans Guide Kapitel: Antworten auf Einwnde gegen die Theorie des Byzant. Primats
fhren, die auf zuverlssiger Basis der berlieferung gegrndet sind. [Das stimmt damit berein], was wir [beim Studium] der Schreibergewohnheiten und des erhaltenen Materials an Handschriften an Hinweisen haben, wenn man es im Licht des berlieferungsprozesses betrachtet.
Antworten auf Einwnde gegen die Theorie des Byzant. Primats Diese gedanklichen Ausfhrungen, die der Byzantinischen Textform zugrundeliegen, ziehen diese Textform vor und argumentieren eindeutig fr deren Primat anderen Textformen gegenber. Trotzdem gibt es einige Einwnde (EW) gegen die Theorie des Byzantinischen Primats, die angesprochen werden sollten. EW1: Es gibt keine frhen Byzantinischen Handschriften vor dem 4. Jahrhundert. Auf diesen Einwand gibt es mehrere Antworten, die im Zusammenspiel eine begrndete Antwort geben: a. Bei klassischen Werken kann man beobachten, dass die Mglichkeit besteht, dass erhaltene Kopien (falls wenige), nicht die ursprngliche Verteilung (an Typen von Textvarianten) aufweisen. (Bowers, Bibliography, S.75). Warum sollte das bei biblischen Texten anders sein? Es knnen ja nicht nur keine Belege fr den Byzantinischen Texttyp vor dem 4. Jahrhundert genannt werden; die Belegexemplare fr den Alexandrinischen Texttyp machen nur 63 Papyri aus der Frhzeit aus und viele davon sind sehr lckenhaft. Die meisten der ber 5000 Handschriften, die zur Rekonstruktion der Urform des Textes bereitstehen, sind auf sptere Jahrhunderte zu datieren. b. Zwei revolutionre Einschnitte beim Kopierprozess knnen genannt werden, die den berlieferungsstrom unterbrochen haben. Der erste (4. Jahrhundert) beseitigte vorher bestehende Papyrushandschriften oder entsorgte sie anderswie. Genauso der zweite Einschnitt: Der Bedarf an UnzialHandschriften war entscheidend geringer, nachdem Minuskelkopien erstellt worden waren. Keine Handschrift ist aufgrund ihres Alters, Materials oder ihrer Schrift fr sich gesehen besser, insbesondere weil die abstammungsmig unabhngigen frhen Minuskeln von offensichtlich heute nicht erhaltenen unabhngigen Unzialen abstammen, die wiederum von unabhngigen frhen Papyri abstammen. Die Tatsache, dass es keine frhen Byzantinischen Handschriften vor dem 4. Jahrhundert gibt, sollte daher nicht fr zu problematisch gehalten werden. c. Der Lokaltext in gypten muss genau fr einen solchen gehalten werden. Es bersteigt das Vorstellungsvermgen, dass der gyptische Text die vorwiegend griechischsprachige Region des Reiches whrend der ersten 4. Jahrhunderte dominiert haben soll und dann komplett dort verschwunden sei. Es ist vielmehr plausibler davon auszugehen, dass die Byzantinischen Handschriften, die bekanntermaen alle spteren Jahrhunderte das gesamte Byzantinische Reich dominierten, von frheren Handschriften aus dieser 25
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Laymans Guide Kapitel: Antworten auf Einwnde gegen die Theorie des Byzant. Primats
Region abstammten, heute aber nicht mehr erhalten sind (hauptschlich wegen des zerstrerischen klimatischen Einflusses, den es auerhalb der gyptischen Wsten gab). d. Die meisten der modernen Eklektiker scheinen von einer frhen Dominanz nicht-byzantinischer Texte auszugehen und zwar in Gegenden, die spter Festungen Byzantinischer Belege wurden. Befrworter des Byzantinischen Textes behaupten im Gegenzug, dass eine sptere Dominanz starke Hinweise auf frhere Dominanz in der gleichen Region sind. Nachdem Texte sich geographisch von ihrem Ursprung aus verbreiten, ist die Nhe zur Heimat eine eingebaute Kontrolle fr die Echtheit des Textes. Sollte es Nachfragen zur Echtheit einer bestimmten Lesart gegeben haben, war es wesentlich einfacher dies bei der Versammlung vor Ort zu berprfen, die weiterhin die Originale hatte, vorausgesetzt, dass man nicht recht weit davon entfernt war. Immer weiterer Abstand wrde die Zuverlssigkeit fraglicher machen, weil es viel wahrscheinlicher zu lokalen Eigenheiten in weit entfernten Regionen kommen konnte. Falls das so zutrifft, htte die vornehmlich griechischsprachige Gegend auch whrend der Zeit der rtlichen Stille an Belegen einen reineren Text einen Text, der aus dieser Gegend stammte und dort berliefert wurde und zwar aufgrund der dortigen Gegenwart der Autoren oder Empfnger und der in dieser Gegend sorgfltig beibehalten wurde auch whrend der Jahre ohne Nachweise. Dieser Text wrde sich als vorherrschend erweisen, wenn zuverlssige Nachweise aus dieser Gegend vorhanden sind; genau so ist es beim Byzantinischen Text. e. Als Vergleich kann man die Quellentheorie der Synoptischen Evangelien heranziehen, wo man die so genannte Logienquelle Q stark annimmt, obwohl es nicht den Hauch eines Nachweises dafr gibt. Warum sollten genau die gleichen Befrworter davon eine Existenz des Byzantinischen Texts vor dem 4. Jahrhundert bestreiten, obwohl es viel mehr zahlreiche Hinweise darauf gibt als fr die Existenz von Q? Vorgefasste Meinungen und Vorurteile sterben leider nicht recht schnell aus. f. Der Codex Vaticanus (als B oder 03 in allen Referenzen/Apparaten bezeichnet) weist einen Text des Alexandrinischen Texttyps auf und stammt aus dem 4. Jahrhundert. Vor der Entdeckung des Papyrus 75 aus dem 3. Jahrhundert im Jahre 1955 gab es keinen sicheren Hinweis, dass der Alexandrinische Text berhaupt vor dem 4. Jahrhundert existiert htte. Doch dann hatte man den Beweis. Genauso knnen Gegner der Byzantinischen Textform nicht ausschlieen, dass es mgliche oder hnliche Funde einer Byzantinischen Handschrift aus dem 2. oder 3. Jahrhundert im Sande gyptens geben kann. Auch wenn man eine solche Handschrift finden knnte, wre die Reaktion der Textkritiker mit Alexandrinischer berzeugung wohl so, dass sie diese als eher Byzantinisch in den Lesarten als andere frhe Dokumente bezeichnen wrden, anstatt sie tatschlich Byzantinisch zu nennen. http://forum.focusyourmission.org
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EW2: Entscheidende Unterbrechungen in der berlieferungsgeschichte lschten nichtByzantinische Vorlufer aus. blicherweise werden zwei solcher Einschnitte genannt, nmlich die Verfolgungen unter Diokletian und die muslimische Eroberung im 7. Jh. und den folgenden Jahrhunderten. Obwohl beide Ereignisse historisch gesichert sind, besteht keine Wahrscheinlichkeit, dass nicht-Byzantinische Texte strker der Zerstrung zum Opfer fielen als Byzantinische. Die Leute, die versuchten, christliche Schriften zu zerstren, fragten sicher nicht erst, um welchen Texttyp es sich handelte, bevor sie das Feuer zur Vernichtung anzndeten. Daher kann man erwarten, dass Handschriften im gleichen relativen Verhltnis zu ihrer frheren Hufigkeit die Verfolgungen berlebten. EW3:
Der Einfluss von Chrysostomus (der von 347-407) oder anderen Kirchenfhrern sorgte fr eine Bevorzugung des Byzantinischen Textes in Konstantinopel; dieser Text wurde den griechischen Ostkirchen durch kaiserlichen oder kirchlichen Beschluss spter aufgezwungen. Es ist unplausibel, dass ein einzelner Kirchenvater, wie populr und einflussreich auch immer gewesen sein mag, einen neuen oder lokalen Text (nmlich den Byzantinischen, wie es sich dessen Kritiker denken) einfhren und damit einen bisher vorherrschenden abschaffen konnte (den Alexandrinischen Text, wie man meint). Zudem gibt es auch keinen Hinweis darauf, dass eine bestimmte sptere Textgrundlage durch kaiserlichen oder kirchlichen Beschluss aufgedrngt wurde. Selbst wenn so ein Beschluss stattgefunden htte, ist es doch schwer vorstellbar, dass ein zuvor dominierender Text vllig beseitigt werden konnte. Aber wenn schon das Dekret selbst reine Erfindung ist, dann fllt eine solche Vorstellung selbst ebenfalls in sich zusammen. Darber hinaus weist der Byzantinische Texttyp innere Unterschiede auf, besteht also aus mehreren unabhngigen Zweigen: diese Tatsache kann man nicht mit einem Einzelereignis einer Ersetzung erklren.
EW4:
Die Byzantinische Textform ist das Ergebnis eines Prozesses, der ber die Jahrhunderte hinweg im Interesse der Glttung, Harmonisierung, grammatischer und anderer Verbesserungen stndig weiter vom Originaltext wegfhrte. Die Annahme, um diesen Einwand zu sttzen, ist zweifach:
- Schreiber kopieren nicht automatisch korrekt, als ob sie durch einen Computer kontrolliert werden wrden und 2) eine enge bereinstimmung innerhalb einer Unzahl von Handschriften ist nur mglich, wenn es eine Art Kontrolle gibt. Um den ersten Punkt zu konkretisieren: es hat sich ganz im Gegenteil dazu gezeigt (Royse, Colwell, Head), dass die meisten Schreiber grundstzlich sorgfltig und mglichst genau arbeiteten/kopierten.
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Laymans Guide Kapitel: Zusammenfassung und Ausblick
Zum zweiten: es gibt keine nachgewiesene erzwungene Einheit in den Handschriften der Byzantinischen Textform und auch keinen Beleg fr eine frhe Ausbung einer Kontrollinstanz. Hodges hat den Einwand aufgrund eines langen, jahrhundertelangen Prozesses mit seinem klassischen Statement zunichte gemacht: Kein Mensch hat jemals erklren knnen, wie ein langer, schleichender Prozess, der sich sowohl ber viele Jahrhunderte als auch ber groe geographische Gebiete hinzog und Massen von Schreibern betraf, die oft gar nichts vom Text auerhalb ihres eigenen Klosters oder Schreibstube wussten, diese groe bereinstimmung erzielen konnte, die es in den frheren Textformen [Westlich und Alexandrinisch] zuvor mit ihrer Unterschiedlichkeit nicht gab. Ein unkontrollierter Prozess, der zu dieser vergleichsweisen Stabilitt und Gleichfrmigkeit innerhalb seiner textlichen, historischen und kulturellen Umstnde, in denen das Neue Testament kopiert wurde, fhrte, wrde unser Vorstellungsvermgen unvorstellbar berstrapazieren [Hodges und Hodges, Implications, 132].
Zusammenfassung und Ausblick Auf den vorangehenden Seiten wurde versucht, die manchmal sehr theoretische Debatte um die Theorie des Byzantinischen Primats einfach darzustellen. Nach Einschtzung des Autors ist dieser Ansatz aufgrund zweier mageblicher berlegungen der Entscheidende: Zunchst ist die Theorie des Byzantinischen Primats genau das, was damit ausgesagt wird: eine Theorie. Eine Theorie hat Daten zu erklren, muss aber auch durch Daten zu rechtfertigen sein. Im modernen Eklektizismus dem anderen Hauptvertreter innerhalb der Textkritik (auch wenn es da mehrere verschiedene Abzweigungen bei diesem Ansatz gibt) gibt es gar keine Theorie, aber viele Vermutungen. Die Theorie des Byzantinischen Primats kann mit Daten getestet werden und ldt ein, sie entschieden zu berprfen; auf jeden Fall gibt es da eine Theorie. Auch wenn die Daten die gleichen sind, scheint es im eklektischen Ansatz unmglich zu sein, von den Daten auf eine durchdachte Theorie des Textes zu schlieen. Somit erfllt die Theorie des Byzantinischen Primats viel eher die Kriterien einer Theorie als der Eklektizismus. Zweitens beinhaltet dieser Ansatz Text. Als Sprecher und Schreiber besser als Hrer und Leser von Sprache, verarbeiten wir Texte. Ob mndlich oder schriftlich vorgetragen, haben doch Texte eine Geschichte der berlieferung, vorausgesetzt, dass sie aufgezeichnet oder im Gedchtnis sind und dann weitergegeben wurden. Einen Text zu untersuchen, ohne seine berlieferungsgeschichte zu kennen, ist bestenfalls frustrierend, schlimmstenfalls unmglich. Die erhaltenen Handschriften des Griechischen Neuen Testaments sind Kopien vom Originaltext. Und auer einer kleinen Minderheit von Handschriften aus dem Randgebiet beinhaltet die groe Masse dieser Kopien einen bemerkenswert http://forum.focusyourmission.org
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zuverlssigen Text. Dieser Text war keine Eintagsfliege, sondern berdauerte Jahrhunderte lang in seiner Gestalt und zwar so, dass jede Generation und jedes Jahrhundert der Gemeinde einen Zugang zu diesem Text haben konnte, hauptschlich in seiner deutlich vorherrschenden Gestalt die der Byzantinischen Textform. Anmerkung: der Autor hlt alle zitierten Aussagen auch fr Laien fr verstndlich (auer, wenn sie angepasst oder mit eckigen Klammern versehen werden mussten, um das Verstndnis fr den Leser zu vereinfachen.) Diese Darlegung fr Laien erhielt whrend seiner fnfjhrigen Entstehung viel grozgigen Input von Wissenschaftlern nicht immer in deren Sinne aber auch von Laien. Diese ca. 30, die mitgeholfen haben, knnen nicht alle genannt werden, was aber nicht die Dankbarkeit des Autors Ihnen gegenber mindert. Es muss gengen einen als Stellvertreter zu nennen: Michael Martens war ein zuverlssiger und verstndnisvoller Herausgeber ber viele Ausgaben dieses Unterfangens (sowohl auf Englisch als auch auf Indonesisch) und zwar vom Anfang bis zum Ende selbst als ich selbst die Theorie des Byzantinischen Primat noch berdachte, hat Michael diese Versuche stets verbessert. Vielen Dank, Michael !
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Laymans Guide Kapitel: Glossar
Glossar
ueres Kriterium: derjenige Zeuge einer Handschrift, frhen bersetzung oder eines Kirchenvterzitats, der in Abwgung die gewichtigste Lesart und den besten ueren Beleg aufweist (vergleiche inneres Kriterium). Apparat: gewhnlich am Ende einer Textseite befindliche Funote, die Lesarten der betreffenden Handschriften anfhren, um dem Leser ausreichend Informationen bereitzustellen, die Belege selbst prfen zu knnen. Beispiele dafr findet man in den griechischen Texten bei UBS oder Nestle-Aland, in den Byzantinischen Texten von Robinson-Pierpont und im Mehrheitstext von Hodges und Farstad. Autograph: Wrtlich: das was mit eigener Hand geschrieben wurde; bertragen: Originalhandschrift, keine Kopie. Codex (Plural: Codizes): Eine Handschrift in (gebundener) Buchform (somit eine Neuerung gegenber frheren Einzelblttern und Buchrollen). Dittographie: Doppeltschreibung eines Buchstaben, einer Reihe von Buchstaben, eines Wortes oder eine Zeile, wenn die Einfachschreibung richtig wre. Eklektisch 1) Adjektiv: auswhlen von dem, was bei mehreren Alternativen am besten erscheint; zusammengesetzt aus Elementen verschiedener Quellen; jede Variantenstelle wird einzeln fr sich selbst neu entschieden; 2) Nomen (Eklektiker): Jemand, der dieses Prinzip in seiner Ttigkeit anwendet. Erhalten: Gegenwrtig oder tatschlich vorhanden; nicht zerstrt oder verloren. Handschrift (gewhnlich HS im Singular, oder HSS im Plural abgekrzt): [Das Wort Handschrift ist von Text, also der eigentlichen Mitteilung auf dem physischen Medium, zu unterscheiden; zu beachten ist die berschneidung hinsichtlich der Bedeutung von Text und Handschrift und unsere spezielle Verwendung im Glossar und im Aufsatz]; 1) Wrtlich: das physische Material (je nachdem: Papyrus oder Pergament), auf das eine Mitteilung geschrieben steht; das, was besessen, untersucht, gelesen (ihre Mitteilung darauf), kopiert, aufbewahrt, aufgebraucht, verlorengehen oder zerstrt werden kann; 2) Die Arten des Schreibstils einer bestimmten Handschrift. Manchmal gleichbedeutend mit der eigentlichen Handschrift selbst, die damit beschrieben wurde und die gemeint ist. Beispielsweise Kursiv (-geschriebene Handschrift), Unzial (-geschriebene Handschrift), Minuskel (-geschriebene Handschrift); 3) Die Arten des physischen Materials aus der eine Handschrift besteht, manchmal gleichbedeutend mit dem Wort Handschrift, die eigentlich gemeint ist; beispielsweise Papyrus (Handschrift), Pergament (Handschrift), Papier (Handschrift). Haplographie: 1) Einfachschreibung eines Buchstaben, einer Reihe von Wrtern oder eines Wortes, wenn es zweifach vorkommt; 2) Auch: Jede Auslassung, die offensichtlich nicht durch Homoioteleuton oder Homoioarcton entstanden ist. Homoioarcton: Ein Kopierfehler, der entsteht, wenn ein Schreiber von einer Buchstabengruppe, mit der ein Wort beginnt, zu einer hnlichen spter im Text springt, mit dem Resultat des Textverlustes im Vergleich zum Original. http://forum.focusyourmission.org
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Homoioteleuton: Ein Kopierfehler, der seine Ursache darin hat, dass ein Schreiber von einer Reihe an Buchstaben, mit der ein Wort oder eine Zeile endet zu einer hnlichen spter im Text springt, mit dem Resultat des Textverlustes im Vergleich zum Original. Innere Kriterien: die Sachverhalte, die einen bestimmten Grad an Wahrscheinlichkeit fr den Analysten ausmachen; Antworten auf Fragen in Bezug auf den eigentlichen Autoren oder den kopierenden Schreiber und das, was diese in bestimmten Fllen vermutlich schreiben wrden, bewusst oder unbeabsichtigt (vgl. uere Kriterien). Kanonisch: auf einen Kanon oder dessen Formierung bezogen. Kanon: wrtlich, eine Messschnur; 1) In Bezug auf die Bcher des Neuen Testaments, die als mageblich vom Volk Gottes angenommen wurden; 2) Ein Synonym fr Grundsatz, wie in Ausdrcken bei grundstzlicher bereinstimmung innerer/uerer Kriterien. Konflation: Eine Kombination aus einer oder mehreren Lesarten eines bestimmten Textes von verschiedenen Handschriften zu einem zusammengesetzten Ganzen, also zu einer neuen Handschrift oder Handschriften; Text A hat beispielsweise Er betrat das Haus; in Text B steht: Er sa im Haus; Im Text C findet man: Er betrat und sa im Haus; die Lesart in Text C ist eine Konflation aus den Texten A und B. Konjektur: Korrektur eines Textes, nicht durch Auswahl verschiedener Lesarten, sondern durch Einbringen wissenschaftlicher Konjektur (Ratespiel) ohne Belege als Grundlage. Kursiv (Schrift): 1) Schreibstil, bei dem die Buchstaben gerundet und flieend im Text stehen 2) Eine Handschrift, die in diesem Schreibstil erstellt wurde; allgemein austauschbar mit Minuskel gebraucht, wenn auf neutestamentliche Handschriften bezogen. Lampenru: fein aufgelster schwarzer Ru, hufig aus Kaminen oder Lampen genommen, der als Pigment fr verschiedene Arten von Tinte genommen wurde. Lektionar: Ein Buch oder eine Folge von Abschnitten fr das Kirchenjahr; Abschnitt einer gottesdienstlichen Lektion/Lesung eines bestimmten Tages, bestehend aus Ausschnitten des neutestamentlichen Textes, die wiederum selbst Handschriften sind. Minuskel: 1) eine etwas formale Art der Schrift, die aus der Kursivschrift entstand, in etwas vereinfachter und kleiner Form. 2) Eine Handschrift, die in solch einer Schrift angefertigt wurde. Im Zusammenhang mit dem Neuen Testament oft synonym mit kursiv gebraucht. Papyrus (Plural: Papyri): 1) Eine Pflanze in Smpfen, insbesondere im Niltal; 2) Beschreibstoff aus diesem Material, der aus dem Stngel gewonnen wurde, sowohl als Einzelbltter oder zusammengeheftete Rolle. 3) Eine Schrift, die auf diesem Material verfasst wurde. Pergament: 1) Die Tierhaut, gewhnlich vom Schaf oder der Ziege, als Beschreibstoff prpariert. Oft auch als Handschrift, die auf diesem Material verfasst wurde. 2) Eine feinschichtige, unzertrennte Lamm-, Ziegen- oder Kalbshaut, speziell bearbeitet als Schreibstoff; oft auch fr die darauf stehende Schrift verwendet.
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Patristisch: von einem oder in Bezug auf einen frhen Kirchenvater, etwa seine Kommentare. Rationale berlieferungstheorie: Ein Ansatz, die Form der Autographen zu bestimmen, dabei sowohl innere als auch uere Kriterien abzuwgen und die Geschichte des Textes einzubeziehen. Skriptorium (Plural: Skriptorien): Ein eigener Raum fr Schreiber in mittelalterlichen Klstern. Synoptische Evangelien: die Evangelien von Matthus, Markus und Lukas werden so genannt, da ihr Inhalt eine gemeinsame Sichtweise hat in Abgrenzung zum Johannesevangelium. Text: (zu unterscheiden von der Handschrift als physisches Medium (Beschreibstoff, Tinte, Art der Buchstaben), die den Text enthlt); es gibt zwar eine Schnittmenge in der Bedeutung zwischen Handschrift und Text, fr die Zwecke dieses Aufsatzes geben wir aber die Bedeutung der Wortwahl an. 1) Die Botschaft des Neuen Testaments in griechischen Wrtern mit bestimmter Schreibung, Flexion und Reihenfolge; 2) Was auf den Text verweist, wie er in den ursprnglichen Handschriften bei eigentlichen Autoren stand. 3) Da die Urschriften der Originaltexte verloren sind, ist der Text das, was rekonstruiert werden soll, indem die verschiedenen erhaltenen Handschriften verglichen werden. 4) Das Ergebnis der Bemhungen, den Text durch Handschriftenvergleiche zu ermitteln. 5) Das, was man auf einem Handschriftenexemplar finden kann, das von einem Schreiber kopiert und auf eine andere Handschrift bertragen wurde. 6) Was man auf einer bestimmten Handschrift finden, lesen, vergleichen, darber nachdenken und von professionellen Schreibern auf ein leeres Manuskript bernehmen kann (fast gleichbedeutend mit Punkt 5., der sich auf die Vergangenheit und 6., der sich auf die Gegenwart bezieht. 7) Was als Original anerkannt wird, was man mit Textkritik erzielen will; Gelehrte verschiedener Richtungen unterscheiden sich darin, welcher Wortlaut dieser Text haben msste und somit im Hinblick auf den eigentlichen Text. 8) Eine Kurzform fr Texttyp, d.h. einer Gruppe von Handschriften mit einem spezifischen Textcharakter; z.B. Westlicher oder Caesarea-Text; 9) Was wir in Hnden halten knnen, ob weltlicher oder geistlicher Natur, original oder rekonstruiert. Textform: 1) Die Form des Textes, die am ehesten dem Original entsprechen knnte; 2) Die frheste berlieferte Form von Text, gleichbedeutend mit dem Autographen; grundstzlich erheben alle Befrworter eines Texttyps diesen Anspruch; gewhnlich verwenden jedoch Befrworter des Byzantinischen Textes diesen Ausdruck. Texttyp: Eine Gruppierung von Handschriften, dessen Texte einige grundstzliche Kennzeichen aufweisen; grer als eine Familie, aber nicht mit dem Status einer Textform; blicherweise nimmt man vier hauptschliche Texttypen an: den Alexandrinischen, den Byzantinischen, den Ceasarischen und den Westlichen. Oft fast austauschbar mit Text gebraucht: z.B. der Westliche Text, der Westliche Typ von Texten, also der Westliche Texttyp. Textkritik: Der Versuch, die ursprngliche Form eines Textes aus mehr als einer Handschrift zu bestimmen. Textus Receptus: Lateinisch fr anerkannter Text (Abgekrzt: TR); der gebruchliche http://forum.focusyourmission.org
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Text, dessen erstes Erscheinen bei der Erstausgabe durch Erasmus auf Anfang des 16. Jahrhunderts zu datieren ist, erfuhr aber viele verschiedene Ausgaben und Revisionen; der Textus Receptus basierte nur auf sehr wenigen griechischen Handschriften und obwohl diese Handschriften grundstzlich Byzantinischen Ursprungs waren unterscheidet sich vom Byzantinischen Hauptstrom in zahlreichen Details; die KingJames Bibel basierte auf dem Textus Receptus; Befrworter des Byzantinischen Primats sollten nicht mit denen der Textus Receputs-Only oder King Jamens-Only Fraktion verwechselt werden. Unzial 1) Ein Stil der Handschrift, Groteils aus Grobuchstaben bestehend, manchmal leicht gerundet und fast kursiv; 2) Eine Handschrift in diesem Stil verfasst. bersetzung: gewhnlich eine frhe bertragung des griechischen Neuen Testaments, entweder ins Koptische, Syrische, Gotische, Lateinische, etc. berlieferungsstrom: der gewhnliche Verlauf eines berlieferten Textes ber viele Handschriften hinweg; dieser Strom kann ebenso eng oder weit wie ein tatschlicher Strom oder Fluss sein, je nachdem, ob mehr oder weniger Handschriftengruppen betroffen sind. Lesart: Material, das gelesen oder zum Lesen gedacht ist, ist eine Lesart, sei es ein Einzelwort oder der ganze Text; das wird dann bedeutsam, wenn zwei oder mehrere Handschriften darauf Hinweise geben, dass es konkurrierende Lesarten gibt; das Ziel ist, die ursprngliche Lesart, von der alle anderen Abweichungen sind, zu ermitteln. Nachdem Gelehrte uneins sind, was als ursprnglich zu gelten hat, sind im Grunde alle Lesarten gegenstzliche Varianten im Kampf darum, als original anerkannt zu werden. Von tausenden Handschriften, die einen bestimmten Abschnitt aufweisen, gibt es blicherweise nur jeweils zwei oder drei variierende Lesarten, die abzuwgen sind, selten bis zu zehn; 95% des neutestamentlichen Textes weisen berhaupt keine Varianten auf d.h., es handelt sich um einen recht einheitlichen Text; andererseits, unterscheiden sich der Alexandrinische und der Byzantinische Texttyp an etwa 6000 Stellen. Vorlage: Eine Handschrift, die als Quelltext zum Kopieren einer neuen Handschrift vorliegt.
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